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künstlerische forschung berliner förderprogramm

 
 

Anna Zett & Hermann Heisig

Resonanz

„Resonanz“ ist eine transdisziplinäre Zusammenarbeit der Künstlerin und Autorin Anna Zett mit dem Choreografen und Tänzer Hermann Heisig. Gegenstand unserer Forschung sind biografische Narrative im Zusammenhang mit dem Aufbau und Fall der DDR. Mittels verbaler und non-verbaler Improvisation erproben wir partizipative Praktiken des Erinnerns und Vergessens. Historisches Wissen wird dialogisch im Raum der Imagination aktiviert, mitgeteilt und neu verknüpft. Wir wollen herausfinden, wie dieses lebendige Archiv funktioniert, indem wir es mit wechselnden Gästen spielerisch in Bewegung versetzen.

Frage: Über wen willst du sprechen?
Antwort: Ich möchte über Christel sprechen. Christel hat als junge Frau im Leipziger Messeamt gearbeitet und dort für Messegäste aus und in verschiedene skandinavischen Sprachen übersetzt.
Frage: Was kannst du noch über sie erzählen?
Antwort: 1991 stand sie oft nächtelang auf dem Balkon, warf mit Tellern und beschwerte sich lauthals über Michail Gorbatschow.
Regie: Switch!
Frage: Was waren das für Teller, die sie da vom Balkon geworfen hat, wie sahen die aus?
Antwort: …

Zentrale Forschungsmethode unseres interdisziplinären Projekts ist die Gruppenimprovisation. Welche narrativen, emotionalen und habituellen Spuren haben die DDR und das, was danach kam, in unseren Körpern hinterlassen? Durch die gemeinsame Entwicklung fiktiver Lebensläufe wollen wir der (post-)sozialistischen Erfahrung Platz geben, allerdings ohne dabei die eigene Biografie ins Zentrum zu stellen. „Resonanz“ verortet historische Erinnerung im intersubjektiven Austausch und setzt den Schwerpunkt auf die körperlichen Praktiken des Fragens, Antwortens, Zuhörens und Bezeugens. Unser Ziel ist es, sowohl Performer*innen als auch Laien unterschiedlicher Milieus und Generationen miteinander in Kontakt zu bringen und dabei dem ideologisch überlasteten Ostdeutschland-Diskurs einen Raum zu geben, in dem sich historische Aufarbeitung in einer spielerischen Dynamik entfalten kann.

Anna Zett ist Künstlerin, Autorin und Regisseurin von Film und Hörspiel. Im Zentrum ihrer zeitbasierten Praxis steht die Gegenwartsbewältigung durch Sprache, Kontakt und Bewegung, in Beschäftigung mit historischer Sinnerzeugung als einem körperlichen Vorgang. Parallel zu ihrem theoretischen Studium (u.a. Philosophie, Gender Studies, Ethnologie) kam sie zum Filmemachen und positionierte sich mit ihrem ersten längeren Film „This Unwieldly Object. A Modern Research Drama“ (2014) an der Schnittstelle von Forschung und Fiktion. In Performance und Hörspiel liegt ihr Schwerpunkt auf partizipativen Formaten, welche mal stärker immersiv, mal stärker dialogisch sind. Mit einer Recherche im Robert-Havemann-Archiv rückte die Ostperspektive in den letzten zwei Jahren thematisch in den Vordergrund. In ihrem ersten Buch „Artificial Gut Feeling“ (Divided Publishing, 2019) adressiert Anna Zett non-verbale politische Konflikte auf der Suche nach einer post-sozialistischen Subjektivität.
www.annazett.net

Hermann Heisig wurde in Leipzig geboren, wo er sich Ende der 1990er Jahre für zeitgenössischen Tanz zu interessieren begann und zahlreiche autodidaktisch entstandene Solo-Performances in Galerien und Clubs aufführte. Nach seiner Ausbildung in Berlin und Montpellier arbeitete er u.a. als Tänzer und Performer für Martine Pisani, Meg Stuart/Damaged Goods, Pieter Ampe, Thomas Lehmen, Begum Erciyas, Julian Weber und Corinna Harfouch. Innerhalb seiner Choreografien entwickelt Heisig ein eigenwilliges Bewegungsvokabular, das sich Effizienz widersetzt und aus Elementen des Kontrollverlustes Funken schlägt. Im Zentrum stehen Reibungseffekte, die Körper in sich, miteinander und im Kontakt zu ihrer Umwelt produzieren. 2018 entwickelte er an der Residenz des Schauspiel Leipzig „slave to the rhythm“, eine freie Interpretation rhythmisch-musikalischer Gymnastik nach Emile Jaques-Dalcroze. 2019 entstand daraus die Solo-Choreografie „singing machine“.
www.hermannheisig.net