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künstlerische forschung berliner förderprogramm

 
 

Katrin Mayer

Display und Feminismus 

„It’s nice to put all these women on the map, but we have to change the map when we do this!“ – Sadie Plant

Für mich bietet das Feld der künstlerischen Forschung die Chance, neue Schreibweisen, Formate und Methoden der Artikulation zu entwickeln, mit dem Ziel, erweiterte, interdisziplinäre und vor allem emanzipative Handlungsräume zu eröffnen. Ich begreife Raum als ein kulturelles Deutungssystem, das Geschlecht generiert und darüber hinaus Rollenzuschreibungen (Künstler*in, Theoretiker*in, Kurator*in etc.) und zugehörige Handlungsfelder mit situiert.

In meinem Forschungsvorhaben geht es u.a. darum, weibliche1 Positionen zu versammeln, die an räumlich-grammatikalischen Modellen und Konzeptionen des Zeigens zwischen Kunst, Architektur und Design gearbeitet haben und deren immanente Potenziale für eine kritische, genderpolitische Perspektive herauszuarbeiten. Es stellen sich zudem Fragen nach Aktualisierbarkeiten der Entwürfe, heutigen Lesarten und in der Folge Auswirkungen auf unseren Umgang mit Marginalisierungen innerhalb der Geschichte.

Als methodische Referenz fungiert für mich das Textile, da Musterbegriff und Strukturbegriff im Gewebe stets unauflöslich miteinander verschränkt sind. Oder wie T’ai Smith schreibt: „(…) weaving is as much a craft and medium as it is an apparatus (dispositif), in the Foucauldian sense. It is as much a specific practice (set of materials, tools, and way of putting things together) as it is a ‘heterogeneous ensemble consisting of discourses, institutions, architectural forms…propositions – in short, the said as much as the unsaid.’“2

  1. Weiblich verwende ich hier nicht essentialistisch; vielmehr soll der Begriff auf die Bedeutung verweisen, die dem Feminismus historisch bei der Infragestellung hegemonialer Männlichkeit zukommt, zugleich aber auch alle anderen Positionen einbeziehen, deren Einsätze in der Lage waren oder gewesen wären, herrschende räumliche Dispositive zu unterbrechen.
  2. T’ai Smith, „Bauhaus Weaving Theory, From Feminine Craft to Mode of Design“, Minnesota 2014, S. xxxiv.

Katrin Mayer ist Künstlerin und lebt in Berlin und Düsseldorf. Für ihre ortsbezogenen Werke forscht sie in der lokalen Geschichte, um anhand von Architektur, räumlichen Begebenheiten, Interieurs, Flächen oder Texturen, die Historizität eines Ortes in der Gegenwart zu reflektieren und zu hinterfragen. Dazu werden häufig genderpolitische oder subkulturelle Narrative aufgerufen und in Form von räumlich-materiellen Installationen so  formuliert, dass sie gegen die Fiktion eines neutralen Raumes ohne irgendeine Verflechtung mit sozialen, gesellschaftlichen, ideologischen und zeitbedingten ästhetischen Konnotationen arbeiten. Ausgewählte Pfade ihrer Recherche werden derart neu montiert, dass sich spezifische Lesarten dieser Orte eröffnen und eine alternative Geschichte sichtbar wird. Auf diese Weise entstehen temporäre Settings, deren präsentischer Modus über seine Display- also Zeigefunktion hinaus selbst Ausdruck des durch ihn verhandelten Wissens wird.
www.katrinmayer.net