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künstlerische forschung berliner förderprogramm

 
 

Miriam Jakob & Jana Unmüßig

Breathing With

In ihrer ersten Zusammenarbeit „Breathing With“ gehen die beiden Choreografinnen Miriam Jakob und Jana Unmüßig der Frage nach, wie Atmen als ein verbindendes Element – zwischen Menschlichem und Mehr-als Menschlichem – gedacht werden kann, ohne den Atem als eine essentialistische, universale Gegebenheit zu begreifen.
Auch wenn viele1 Lebewesen die selbe Luft einatmen, bedeutet das nicht, dass für alle das Atmen ein Leichtes ist. Atmen, als ein Körper-basierter Prozess, findet immer in einem spezi-fischen sozio-politischen Kontext statt. Wer wann wie viel Luft zum Atmen hat, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern je nach Situation auch abhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft, Geschlecht etc.

Jakob und Unmüßig schauen in ihrer Recherche nach Orientierungspunkten in den Feldern der Performance Art (z.B. Kaprow, Arlander), Gender Studies (z.B. Górska, Irigaray), Körperarbeit (z.B. Middendorf), Medienwissenschaft (z.B. Peters) und posthumanistische Studien (z.B. Barad, Braidotti, Haraway) und Performance Studies (z.B. Moten), um Atmen und Atem unterschiedlich zu beleuchten. 

Ziel des Vorhabens ist es, den vermeintlich natürlichen Prozess des Atmens produktiv zu verkomplizieren: durch die Verschiebung des Augenmerks weg vom exklusiv menschlichen Atemvorgang oder durch die Hinwendung zu Situationen, in denen technische Geräte zum Einsatz kommen, um den menschlichen Atem zu ermöglichen.
„In der Bewusstwerdung und genaueren Untersuchung (entlang) des Atmens liegt für uns ein ästhetisch-ethisches Potential, dass wir im Laufe der Recherche mit diversen Prakti-ker*innen, Theoretiker*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen erkunden werden. Das Künstlerische Forschungsprojekt ‚Breathing With‘, das durch verschiedene künstlerische For-mate, Begegnungen und Versuchsanordnungen sichtbar/hörbar/spürbar gemacht werden wird, begreifen wir auch als eine Auseinandersetzung im Miteinander-Sein: Zuhören, Umdenken, Privilegien hinterfragen, um so Sprachen der Sozialität und Solidarität zu erfinden.

„Wir verstehen unser künstlerisch-forschendes Vorhaben ‚Breathing With‘ als einen Ort, wo sich das Denken in Begriffen mit dem Denken durch die Sinne derart verschränken, dass sich nicht mehr sagen lässt, wo Theorie und Praxis beginnen und enden.“

  1. Es gibt „einfache“ Lebewesen, die keinen Sauerstoff brauchen, etwa bestimmte Bakterien. Sie benutzen andere Wege, um Energie zu gewinnen.

Die Choreografin Miriam Jakob erforscht in ihren Einzel- und Gruppenarbeiten die Nahtstellen von Wissenschaft und Fiktion. Sie studierte Anthropologie in München, Buenos Aires und in Berlin, anschließend Tanz und Choreografie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT Berlin) und erhielt einen Master of Arts von DAS Choreography der Theaterhochschule Amsterdam. Als Performerin, Tänzerin und Choreografin kollaborierte sie mit anderen Künstler*innen, u.a. mit deufert&plischke, Zeina Hanna, Ana Laura Lozza, Varinia Canto Vila, Angela Schanelec, Martin Nachbar und Lisa Densem.
www.miriamjakob.de

Jana Unmüßig, Choreografin, studierte Theaterwissenschaft an der Sorbonne, Paris sowie Tanz und Choreografie am Salzburg Experimental Academy of Dance und HZT Berlin. 2018 erhielt sie einen Doctor of Arts (Dance) von der Theaterhochschule Helsinki. Ihre Arbeiten wurden u.a. am HAU Hebbel am Ufer, Berlin; Kampnagel, Hamburg; Springdance Festival Utrecht sowie ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival gezeigt. Sie war u.a. artist-in-residence bei Movement Research, New York; HIAP – Helsinki International Artist Programme und K3 – Zentrum für Choreographie, Hamburg. Seit 2016 entwickelt sie im Kontext künstlerischer Forschung hauptsächlich Arbeiten und Formate in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen, u.a. mit Tina Jonsbu, Christoph Solstreif-Pirker und Francisco Trento. 2019/20 forschte sie als Postdoc am Center for Artistic Research (CfAR), Uniarts Helsinki.
www.jana-unmussig.com